| Fallbeispiel Ludwig | |||||||
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Chemical Sensitivity Network Frau Silvia Müller Hauptstr. 41 55743 Kirschweiler 30.05.2001 Sehr geehrte Frau Müller Mit dem folgenden Bericht über die Psychiatrisierung meiner Tochter Sarah möchte ich Ihrem Aufruf auf der Internet Seite des Chemical Sensitivity Network folgen, um Ihnen ein weiteres Fallbeispiel zu liefern, und auch in der Hoffnung, dass, sollte es weitere Schwierigkeiten geben, Möglichkeiten bestehen werden, einen sich anbahnenden Skandal, der sich so oder ähnlich bereits tausendfach abgespielt haben mag, noch rechtzeitig zu verhindern. Sarah Beate Ludwig, geb. am 10.11.1978, war ein völlig gesundes, intelligentes und fröhliches Kind, bis sie im Alter von 10 Jahren in kurzer Folge an Lungenentzündung, Keuchhusten, schwerer Bronchitis und Masern erkrankte. Sie wurde in dieser Zeit mehrmals mit Antibiotika behandelt. Daraufhin veränderte sich ihr Charakter allmählich; sie wurde zunächst "knatschig", dann vorübergehend hyperaktiv, weinte drei Monate lang Tag und Nacht, wollte kaum noch essen und war dann "magersüchtig" bis kurz vor ihrem 13. Geburtstag. Zwischen 13 und 15 war sie gesund und zeigte gute schulische Leistungen. Im 16. Lebensjahr begann ihr Charakter sich erneut zu verändern. Sie reagierte auf einen Umzug mit einer Überdosis Schlaftabletten, klagte über Konzentrationsstörungen, Magen- und Darmbeschwerden, Kopfschmerzen, Schwindel, lähmende Müdigkeit und Niedergeschlagenheit, sowie Sehen von Doppel- und Dreifachbildern. Unzählige Arztbesuche blieben ohne Befund. Nach einiger Zeit begann sie, auf geringsten Kontakt mit Zigarettenrauch oder Kaffeegeruch mit Panikanfällen zu reagieren. Beides verursachte ihr einen "versteinerten Kopf". Da kein Arzt ihr helfen konnte, ließ sie sich monatelang von Heilpraktikern mit Akupunktur und Bioresonanztherapie behandeln, jedoch ohne wesentlichen Erfolg. Damals suchte sie ebenfalls aus eigenem Antrieb das Institut für Umweltkrankheiten in Bad Emstal auf. Leider war ich nicht über die Möglichkeiten der Umweltmedizin informiert und verweigerte ihr auf Anraten der behandelnden Ärzte, die zu Psychotherapie rieten, sowie aus finanziellen Gründen, die Diagnostik durch Dr. Runow. Schließlich verließ sie in der 12. Klasse wegen weitgehender Konzentrationsunfähigkeit und unerträglicher Panikreaktionen auf Zigarettenrauch das Gymnasium. Sie ließ sich von einer Heilerin behandeln, konnte plötzlich wieder Zigarettenrauch vertragen, begann in Krankenhäusern zu arbeiten und schloss einen Ausbildungsvertrag als Krankenschwester ab. Diese Ausbildung hat sie, verhindert durch erneute Depressionen und nun auch Antriebsstörungen, nie begonnen. Ich drängte sie zur Psychotherapie. Nach wie vor beteuerte sie, sie wisse genau, sie sei irgendwie körperlich und ganz und gar nicht psychisch krank. Mehrere nach monatelangen Wartezeiten begonnene Psychotherapien wurden entweder auf Grund der Ratlosigkeit der behandelnden Ärzte oder von ihr selbst abgebrochen. Eine der Kliniken empfahl betreutes Wohnen; Psychiatrie sei völlig ungeeignet. Sarah wurde immer apathischer und hatte fast keinerlei soziale Kontakte mehr. Ein buntes Spektrum von Diagnosen, je nach Spezialisierung der Behandler, reicht von Psychosomatose, emotionaler Instabilität, schizo-affektiver Psychose über Borderline-Persönlichkeitsstörung bis neuerdings hin zur paranoiden Psychose. Denn: nach unserem Umzug nach Gießen im vergangenen November klagte sie erstmals über unbeschreibliche, merkwürdige Gefühle im Kopf, als sei sie irgendwie vergiftet, bis sie sich schließlich mit wüsten Beschuldigungen gegen mich, ihre Mutter, sowie ihre im gleichen Haus lebende Großmutter, in die hiesige Psychiatrie einliefern ließ. (Randbemerkung: durch eine MCS-Patientin, die ein Buch mit dem Titel "Umweltkrank durch NATO-Treibstoffe?" verfasst hat, das in Kürze erscheinen wird, wurde ich darauf aufmerksam, dass wir hier oberhalb eines seit Jahrzehnten bestehenden US-Treibstofflagers wohnen.) Als Sarah merkte, dass es ihr in der Psychiatrie nicht besser ging, wollte sie wieder nach Hause, wurde jedoch durch richterlichen Beschluss untergebracht. Das war im Januar 2001. Jetzt erhielt ich zufällig aus der Verwandtschaft Hinweise auf die MCS-Problematik, knüpfte Kontakte zu MCS-Patienten, informierte mich über Literatur und Internet, und veranlasste sie nach ihrer Entlassung zu Untersuchungen auf Schadstoffe sowie auf Nahrungsmittelallergien und Candida bei Dr. Runow. Die Befunde liegen vor; sie sind allesamt positiv. Dr. Runow hat Sarah Anfang des Jahres gesehen, als sie das typische zombieartige Erscheinungsbild einer mit Neuroleptika Behandelten bot. Die empfohlene Behandlung sowie die Rotationsdiät konnten zunächst nicht durchgeführt werden, da sie mehrmals wegen nun einsetzender Atemnot und Erstickungsangst zurück in die Psychiatrie ging. Anfang April hatte ich erstmals Gelegenheit, die Rotationsdiät, unterstützt durch Verabreichung hoher Dosen Vitamine und Mineralstoffe sowie die Candida-Behandlung, konsequent anzuwenden. Mit geradezu durchschlagendem Erfolg: nach knapp zwei Wochen war die chronische Müdigkeit verschwunden. Der daraufhin vereinbarte neue Termin bei Dr. Runow konnte nicht eingehalten werden, weil sie in ihrem neugewonnenen Hochgefühl, wieder gesund zu werden, nicht mehr regelmäßig nach Hause kam, die Diät nicht mehr einhielt, wieder Symptome hatte und zurück in die Psychiatrie ging. Sie erhielt einen zweiten richterlichen Einweisungsbeschluss; außerdem wurde eine Betreuerin beauftragt, eine Juristin, die auf die Problematik in keiner Weise ansprechbar ist, weil sie sonst "in Teufels Küche kommt" (Originalton Richterin), selbstverfreilich alles im Interesse der Patientin. Da ich befürchte, dass die psychiatrische Behandlung nur die Symptome verdeckt, während die zugrunde liegenden Gesundheitsstörungen unbehandelt bleiben, beschrieb ich vor drei Wochen in einem Brief an das Breakspear Hospital Sarahs obige Problematik und erhielt prompt einen Anruf von Frau Dr. Segner, die mich auf die dringende Notwendigkeit weiterer umweltmedizinischer Untersuchungen und Behandlung durch spezialisierte Ärzte hinwies. Sarah hat für den 11.6. einen Untersuchungstermin bei Frau Dr. Segner, Breakspear Hospital, und einen weiteren Termin am 7. Juni bei Herrn Dr. Binz. Es wird jedoch nicht möglich sein, diese dringend notwendige Diagnostik durchzuführen. Obwohl dies alles bereits mit dem Chefarzt vereinbart war, verweigert die Station die Entlassung mit der Begründung, die Unterbrechung der Behandlung gefährde deren Erfolg, und die Reise sei momentan zu anstrengend für die Patientin. Der Chefarzt hat daraufhin sofort nachgegeben, "weil ja auch überhaupt keine Exposition vorliegt". Daraufhin ist Sarah am Montag aus der geschlossenen Station geflüchtet; ich habe sie für eine Nacht bei Freunden untergebracht. Da nicht sofort Medikamente zur Verfügung standen, war sie schon nach wenigen Stunden elender denn je und sofort bereit, zurück in die Psychiatrie zu gehen. Jetzt ist sie wiederum für sechs Wochen untergebracht. Soeben wurde ich von der zuständigen Richterin informiert, dass nach Ablauf der jetzigen sechswöchigen Unterbringung ohnehin keine dauerhafte Unterbringung im PKH Gießen mehr möglich sein wird, da die Krankenkassen dann nicht weiter bezahlen. Demnach dürften die (finanziellen?) Möglichkeiten der Klinik vorerst ausgeschöpft sein: der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen. Welch perfekt funktionierendes Räderwerk von Justiz und Gesundheitswesen! Ich wage nicht zu schätzen, wie viele unserer Mitmenschen ihm schon zum Opfer gefallen sein mögen oder noch werden. Unsere Kinder werden mit der chemischen Keule zu Wracks geschlagen, damit andernorts die Kasse stimmt. Übrigens hat Sarah bis in sechs Wochen dann auch soviel Tagegeld angesammelt, dass ich mir jetzt schon ernsthaft überlege, ob ich sie nicht gleich zu Dr. Rey bringe. Vielleicht braucht der einen Übersetzer, der ihm seine Publikationen ins Deutsche übersetzt. Hoffen wir nur, dass der Teufel, von dem sie sich mittlerweile manchmal für verfolgt hält, nicht von anderer Seite erneut zuschlägt! Denn eines ist schon jetzt vorhersehbar: besser gehen wird es ihr dann nicht. Mit freundlichen Grüßen Sehm-Ludwig Hallesche Nationale Z.Hd. Frau Kullmann Postfach 10 10 43 60313 Frankfurt Gießen, den 10.06.2001 Betrifft: Versicherungsnummer 06/20/1.944457.8, Sarah Ludwig Sehr geehrte Frau Kullmann, sehr geehrte Damen und Herren, Wie Sie wissen, ist meine bei Ihnen versicherte Tochter Sarah seit langer Zeit krank. Ihnen ist ebenfalls bekannt, wie sehr ich mich seit Jahren für eine Psychotherapie eingesetzt habe. Nach meinem Umzug nach Gießen im November vergangenen Jahres hatte meine Tochter etwa zwei Monate lang Beschwerden im Kopf, die sie nicht eindeutig definieren konnte, bis sie schließlich Anfang dieses Jahres mit panischen Vergiftungsängsten die hiesige Psychiatrie aufsuchte, in der sie derzeit noch behandelt wird. Die Diagnose ist paranoide Schizophrenie. Im Verlaufe dieser Entwicklung habe ich, zum Teil auf eigene Kosten, an meiner Tochter durch Herrn Dr. Peter Conrad, Ottobrunn, sowie durch das Institut für Umweltkrankheiten, Bad Emstal, verschiedene Untersuchungen vornehmen lassen, durch welche der Nachweis a) einer zellulären Sensibilisierung im Sinne einer Immunreaktion vom Typ IV gegen Cadmium und Chrom sowie Ethylquecksilber, Palladium, Nickel und Goldgeführt wurde. Aufgrund dieser Untersuchungsergebnisse, die ich in Kopie beifüge, habe ich den dringenden Verdacht, dass meine Tochter möglicherweise an einer Schadstoffpsychose oder an einer Gesundheitsstörung leidet, die in der einschlägigen internationalen Literatur unter dem Begriff der Multiplen Chemischen Sensibilität zusammengefasst wird. Zum Beispiel habe ich die Dielen in unserem gesamten Haus in Wabern eigenhändig mit hochgiftigen Holzschutzmitteln gestrichen und von Zeit zu Zeit nachbehandelt. Sarah war dieser Belastung ca. 12 Jahre lang permanent ausgesetzt. Die Erkennung von MCS erfordert umfangreiche Untersuchungen. Wir haben bisher von der Existenz derartiger Krankheiten überhaupt nichts gewusst. Z.B. veranlasste meine Tochter bereits nach erstmaligem Auftreten der Hirnsymptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen, Sehen von Doppelbildern, "versteinerter Kopf" bei Minimalkontakt mit Zigarettenrauch sowie Appetitlosigkeit, chronische Müdigkeit und Antriebsstörungen etwa im Februar 1996 (genauer Zeitpunkt müsste nachgeprüft werden) neurologische Untersuchungen, in deren Rahmen eine Computer-Tomografie zwecks Ausschluss eines Gehirntumores vorgenommen wurde. Dies dürfte anhand Ihrer Unterlagen leicht nachprüfbar sein. Die Erkennung der oben erwähnten Gesundheitsstörung erfordert jedoch die hirnorganische Untersuchung durch SPECT oder PET. Weiterhin existieren weltweit Untersuchungsverfahren, welche die Unterscheidung psychischer, nichttoxischer und toxischer neuropsychologischer Störungen ermöglichen (z.B. Neurobehavioral Core Test Battery (NCTB) der WHO). Diese und weitere Untersuchungen möchte ich, auch wenn sie nicht erstattungsfähig sind und in diesem Falle auf eigene Kosten, an meiner Tochter durchführen lassen. Meine Tochter möchte dies ebenfalls. Sie selbst hat mich wochenlang gedrängt, die in Anlage beigefügte Bescheinigung des Herrn Dr. Runow zur Vorlage bei Ihnen einzuholen, was allerdings bisher unterblieben ist, da nicht geklärt werden konnte, ob Herr Dr. Weber psychiatrische Patienten aufnimmt. Deshalb möchten wir diese Untersuchungen von dem Neurologen Herrn Dr. Peter Binz, Liebfrauenstr. 4a, 54290 Trier, sowie die in dessen Praxis beschäftigten speziell geschulten Psychologen durchführen lassen. Weitere Untersuchungen und ggf. Behandlung sind in Breakspear Hospital, Hemel Hempstead, in der Umgebung von London, England, und zwar auf meine eigene Rechnung, geplant. An dieser Klinik arbeitet eine deutsche Ärztin, mit der ich in Kontakt stehe, und die aufgrund der geschilderten Anamnese ebenfalls zu diesen Untersuchungen rät. Nachdem ich die Gießener Psychiatrie über diese Absicht unterrichtet hatte, wurde meine Tochter durch richterlichen Beschluss für sechs Wochen untergebracht. Obwohl meine Tochter mir Vorsorgevollmacht erteilt hat, wurde ihr eine Betreuerin zugeordnet, die sofort zur Stelle ist, wenn es gilt, irgendeinen Beschluss abzusegnen, ansonsten jedoch bisher noch nicht das geringste Interesse am Wohlergehen meiner Tochter gezeigt hat. Vor anderthalb Wochen erging ein neuer Beschluss zur Unterbringung für weitere sechs Wochen. Durch diesen Beschluss wurden der geplante Untersuchungstermin bei Herrn Dr. Binz am 7. Juni 01, sowie die für morgen, den 11. Juni, anberaumten Untersuchungen am Breakspear Hospital verhindert. Wie ich von der Richterin am Amtsgericht Gießen, Frau Gehlsen, erfuhr, wird es keinen weiteren Beschluss mehr geben, da nach drei Monaten die Krankenkasse nicht mehr bezahlt. Allerdings wurde mir von Mitpatienten berichtet, Sarah werde bewusst vom Pflegepersonal gepiesakt, damit sie sich erneut "psychotisch" verhalte und man einen Vorwand habe, sie zum dritten Mal für sechs Wochen unterzubringen. Gegen diesen zweiten Beschluss haben wir das Rechtsmittel der sofortigen Beschwerde beim Landgericht Gießen eingelegt. Daraufhin fand am Freitag, den 8.6. 01 eine Anhörung statt, bei der meine Tochter zunächst in Anwesenheit des Klinikpsychologen, der Richterin und der Betreuerin gehört wurde. Mein Anwalt und ich durften hierbei nicht zugegen sein. Nachdem mein Anwalt und ich ins Zimmer gebeten wurden, äußerte meine Tochter lediglich, sie sei psychisch krank, und die Zustände auf der Station gingen ihr auf die Nerven. Dass sie mich wochenlang gedrängt hatte, mich für eine orthomolekularmedizinische Behandlung einzusetzen, hat sie vergessen. Ich kann mir daher bereits jetzt vorstellen, in welcher Weise unsere Beschwerde entschieden wird. In diesem Zusammenhang weise ich darauf hin, dass meine Tochter unter Einfluss hochpotenter persönlichkeitsverändernder Drogen steht, ohne dass hinlänglich geklärt wurde, ob deren zwangsweise Verabreichung nicht möglicherweise sogar kontraindiziert ist. Aus diesen Gründen habe ich mich entschlossen, Ihnen anzuzeigen, dass ich mich bis zur abschließenden Diagnostik durch die von mir als Versicherungsnehmer gewählten Fachleute des Verdachts nicht erwehren kann, dass hier auf Kosten der Gesundheit meiner Tochter ein Versicherungsbetrug stattfindet, den mitzufinanzieren ich nicht bereit bin. Ich zahle monatlich mehr als 500 DM, um die bestmögliche medizinische Versorgung meiner Tochter zu gewährleisten, und nicht um sie obendrein auch noch zu gefährden. Sie als Versicherung hat diese Behandlung bereits Zigtausende gekostet, Kosten, die möglicherweise hätten eingespart werden können. Ich beantrage daher als Versicherungsnehmer, dass Sie Ihre Zahlungen an die Klinik für Psychiatrie umgehend einstellen, und zwar solange, bis durch fundierte Untersuchungen, deren Kosten ich, soweit sie im Ausland vorgenommen werden oder nicht erstattungsfähig sind, selbst übernehmen werde, geklärt wurde, an was meine Tochter nun eigentlich leidet. Mit freundlichen Grüßen Sehm-Ludwig Anlagen: Bescheinigung der Privatpraxis Umweltmedizin K.-D. Runow 3 Befundberichte P.S. Soeben teilt Sarah mir telefonisch mit, dass ein Mitpatient sich in der Badewanne die Pulsadern geöffnet hat und verstorben ist. Ich muss trösten kommen. |
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